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Bürgerinitiative gegen Müllverbrennung in Salzbergen e.V. |
Aktuelles (Informationsabend am 26.11.1999)
Informationsabend am 22.02.2000
Salzbergen. (BI Eigenbericht)
Der Einladung der Bürgerinitiative gegen Müllverbrennung in Salzbergen zu einem
Informationsabend mit dem Toxikologen Dr. Kruse des Toxikologischen
Instituts der Universität Kiel und dem Umwelt- und Allgemeinmediziner M. Lefknecht
aus Duisburg waren am Dienstag, 22. Februar 2000 viele Bürger aus Salzbergen und Umgebung gefolgt. Nach einleitenden Worten der 2.Vorsitzenden, Frau Ellen Pfennig, stellte Dr. Kruse 3 Schwachstellen des Vorbescheides über die Müllverbrennung heraus:
Zu 1: Die Vorbelastung ist von der Firma ProBioTek nur nach einem Rechenmodell abgeschätzt worden. Sie geht von Werten z.B. in Gronau aus und ist daher zu weit weg erfolgt und die Daten sind zu alt (1993?).
In der Berechnung von Kadmium lässt man am Beginn der Rechnung eine Schwankung von 0,5 bis 1 Nanogramm zu, weil man den genauen wert nicht kennt, rechnet die zusätzliche Erhöhung aber auf 0,01 Nanogramm aus. Damit wird eine Genauigkeit vorgetäuscht, die auf Grund von fehlenden Vorbelastungsmessungen in der näheren Umgebung nicht gegeben ist.
Zu 2: Die Bewertungsmaßstäbe sind orientiert an der BIMSCH, aber auch hier stecken die Lücken im Detail. So sind Bodenproben nicht oder nur zufällig gezogen worden. Der Boden ist aber das Langzeitgedächtnis für Luftschadstoffe. Er muss alles "schlucken" und gibt an Pflanzen über Wurzeln aber eben auch durch aufspritzen oder Verdunstung Schadstoffe weiter. Am Schluss dieser Kette steht in jedem Fall der Mensch. Auch für die Luft müssen sensiblere Werte gefordert werden. EU-Werte sind dabei schon besser als deutsche Werte. Die Aussagen wurden immer wieder mit der Gegenüberstellung von Werten belegt. So z.B. NOX, dass mit 140 Mycrogramm pro m³ in der TA-Luft genommen wird, die EU fordert 40 mg/m³ und der Toxikologe gesundheitsschützende 20 mg/m³!
Zu 3: In Salzbergen sind zu wenig Stoffe beachtet worden. Die Gutachter haben auch die auftretenden Wechselwirkungen der Stoffe völlig außer Acht gelassen. Ebenfalls die Anreicherung der Stoffe in der Nahrungskette der Bevölkerung. Die immer wieder als zu vernachlässigende Größe dargestellten Krebsfälle stellen sich ganz anders dar, wenn man sie nicht auf Kreisebene betrachtet, sondern sie, wie Dr. Kruse fordert, auf Ämtergröße herunterbricht. In diesem Zusammenhang verwies er auf die neue englische Studie, die sich auf alle englischen Müllverbrennungsanlagen bezieht und in der erstmals erhöhte Werte von Leberkrebs nachweisen werden.
Zum Schluss stellte Dr. Kruse dar, dass im Vorbescheid die angewendeten Bewertungskriterien nicht durchgängig eingehalten worden sind. Zusammenfassend kann man feststellen, dass es viel versprechende Ansätze gibt, gegen den Vorbescheid rechtliche Schritte einzuleiten.
Der Umwelt- und Allgemeinmediziner M. Lefknecht aus Duisburg sprach dann als zweiter Redner von seinen Erfahrungen mit Thyssen. Dabei kamen die Gutachter und der Konzern nicht gut weg. In der geplanten Anlage in Salzbergen gehe es doch darum Öl durch Müll zu ersetzen. Das bei der Verbrennung entstehende Stoffgemisch ist den Wissenschaftlern und den Betreibern unbekannt, auch unbekannt in seiner komulierenden Wirkung auf den am Ende der Nahrungskette stehenden Menschen. Die der BI entgegengehaltenen so genannten Argumente nannte er dabei Taschenspielertricks, die sich aus unvollständigen Argumentsketten, Halbwahrheiten, oder auch anderen - meist vergröbernden - Behauptungen zusammensetzen. In diesem Bermudadreieck verschwinden dann angeblich viele Gefahren. Da aber immer wieder nur einzelne Stoffe gemessen werden, die wir in der Lage sind zu messen, andere einfach vernachlässigt werden, weil sie großenteils auch noch unbekannt oder nicht messbar sind, wird einfach behauptet, es gebe sie nicht oder sie seien ungefährlich und zu vernachlässigen.
So zeigte M. Lefknecht an dem Gutachten von ProBioTek, wie oberflächlich auch mit Messergebnissen und Aussagen umgegangen wurde. Auf der anderen Seite machte er aber auch deutlich, dass er mit den neurotoxischen Versuchen mit Ratten aus seiner Sicht keine Aussagen über den Menschen keine Aussage treffen kann, denn die Tiere können nicht wie die Patienten in seiner Praxis über ihre geschädigte Befindlichkeit Auskunft geben.
Bei den zu Grunde liegenden Berechnungen wird außerdem immer von der 75 kg schweren Normalperson ausgegangen. Kinder und ältere Menschen, die besonders unter den sich kumulierenden toxischen Umwelteinflüssen leiden, werden nie berücksichtigt. Außerdem wissen die Behörden in Duisburg (und sicherlich woanders auch nicht) wie die Krankheitsverteilung in der Bevölkerung über die Fläche einer Gemeinde sich darstellt. Aber selbst wenn wir die so genannten zu vernachlässigen Emissionen betrachten, die bei Nanogramm pro Kubikmeter Luft liegen, so der Redner, seien dies immer noch wahnsinnig viele Moleküle! Die Umweltmediziner stellen in diesem Zusammenhang eine Zunahme von Krankheiten fest, die sicher mit dem Eintrag der 7 Mill. Verbindungen in die Luft zu tun hat, und den ca 50 000 Verbindungen im täglichen Umgang. Je höher die Schadstoffbelastung ist, desto größer die Anzahl der auftretenden Allergien. Neuerdings säßen bei im auch zunehmend Patienten in der Praxis mit dem neuen Krankheitsbild der MCS (Multiple Chemische Sensibilität), das in den USA entdeckt und bei uns noch weitgehend unbekannt in der Medizin ist.
Die Anschließenden Fragen der Bürger Salzbergens und Umgebung zeigten das rege Interesse und die Betroffenheiten der Menschen. Die Verantwortlichen Täten gut daran, diese Ängste erst zu nehmen.
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| Fotos: Klaus Gödde |
Siehe auch Geplante Müllverbrennungsanlage in Salzbergen doch nicht unbedenklich vom 05.03.2000.
Siehe auch Chancen gegen MVA? vom 24.02.2000.
Siehe auch Arzt: Die Luft ist keine Müllkippe vom 24.02.2000.
Siehe auch MVA: Kann Bürgerinitiative Anlage in Salzbergen noch verhindern? vom 24.02.2000.