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Bürgerinitiative gegen Müllverbrennung in Salzbergen e.V. |
Aktuelles (Informationsabend am 26.11.1999)
Informationsabend am 26.11.1999
Salzbergen. (BI Eigenbericht)
Am Freitag, den 26.11.1999 haben wir, die BI, unsere Mitglieder und alle Interessierten zu einer
öffentlichen Sitzung eingeladen. Viele sind gekommen, um sich auf den neuesten Stand
bzgl. der in Salzbergen geplanten MVA zu bringen.
Zunächst stellte Herr Peter Gebhardt vom Ökoinstitut Darmstadt (das ist der Gutachter, den die BI mit zum Erörterungstermin gebracht hatte, und dessen Kosten die Gemeinde Salzbergen nicht übernehmen wollte, siehe Presse). den Stand des Eröterungstermines vor. Sehr interessant war dort eine Tabelle, in der man sehen konnte, wie die Abgaswerte bei der geplanten MVA in Salzbergen im Verhältnis zu den Anlagen mit einer "nassen" Abgasreinigung aussieht und insbesondere wie die Werte der Bielefelder MVA (eine Anlage, die "dem Stand der Technik" entspricht) ausehen.
Allerdings stellte er auch fest, daß Salzbergen nicht zwangsläufig eine Müllverbrennungsanlage benötigt. Zum einen hat der Kreis Emsland überhaupt kein Müllproblem und könnte seinen anfallenden Hausmüll (das sind die 60 000 Tonnen, von denen immer die Rede ist) viel kostengünstiger in MBAs (Mechanisch-biologische Anlage) wie sie z.B. zur Zeit in Wilsum gebaut wird, entsorgen. Die Grafschaft Bad Bentheim wird sich ab 2005 sogar aktiv um Müll bemühen (aquirieren heißt das so schön). Siehe Presse.
Zum anderen könnte die SRS die benötigte Energie auch durch eine GuD (Gas und Dampfanlage) erzeugen. Diese
Anlagen werden mit Gas betrieben und haben einen extrem hohen Nutzungsgrad (über 80%), sodaß sie vom
Staat aufgrund ihrer Umweltfreundlichkeit sogar steuerlich gefördert werden.
Eine solche Anlage ist und war für die SRS allerdings nie eine untersuchenswerte Alternative, wie die SRS im
Erörterungstermin nocheinmal bekundete: "Wir wollen eine Müllverbrennungsanlage, es geht im Erörterungstermin
nur darum, wie diese MVA nun im Detail aussieht!"
Herr Gebhardt stellte heraus, daß eine Nullmessung bei dem Bau einer MVA eigentlich Standard ist. Wobei man unter einer Nullmessung eine Messung versteht, bei der in einem Umkreis von vier Kilometern in einem Quadratraster von 1000m Kantenlänge auf den Lienienkreuzen Meßstationen angebracht werden. Diese messen dann ein ganzes Jahr eine Vielzahl von Stoffen in Luft, Wasser, Boden und Pflanzen. Die im Holde stehende Meßstation (es ist genau eine) ist eine Farce.
Festzuhalten ist:
Als nächstes hörten wir den Referenten Klaus Koch vom Verein "DAS BESSERE Müllkonzept e.V."
Dieser Verein
ist bundesweit tätig und bündelt die Kräfte der einzelnen Bürgerinitiativen. Zunächst erklärte er uns
anschaulich die Arbeitsweisen von MVAs und MBAs. Danach erläuterte er, wie sich die großen Energiekonzerne
(eben auch "unsere" VEW) in das Müllgeschäft einkaufen und das es hier nicht primär um sinnvolle Müllentsorgung
geht, sondern um "das große Geld". Er berichtete weiterhin davon, daß z.B. in Bayern die Bevölkerung per
Volksentscheid erfolgreich MVAs verhindert hat und selbst ein Gesetzesentwurf für die Müllentsorgung vorgelegt hat.
Es ist also durchaus so, daß man nicht nur gegen etwas ist, sondern klare Lösungsalternativen zeigt.
Die dann zwar nicht mehr unbedingt dem Ziel "viel Geld zu verdienen" entsprechen, dafür aber das Müllproblem
grundlegender angehen und dem Interesse der Bevölkerung auf Gesundheit besser nachkommt.
So sei z.B. zu bemerken, daß die Zunahme giftiger Stoffe in unserer Umwelt schon dazu geführt hat, daß die Spermienanzahl bei deutschen Männern drastisch abgenommen hat, sodaß jeder fünfte Bürger unfruchtbar ist. Eine durchaus relevante Einwirkung von Schadstoffen auf den Menschen.
Herr Koch hob an dieser Stelle hervor, daß besonders Kleinkinder sehr viel mehr Schadstoffe aufnehmen, da sie, bezogen auf ihr Körpergewicht und wegen ihrer Wachstumsphase sehr viel Nahrung aufnehmen (Schadstoffaufnahme pro KG Körpergewicht um das 135fache höher als bei einem Erwachsenen). Dieses ist deshalb hervorzuheben, weil die Grenzwerte sich immer auf einen 70kg schweren gesunden Erwachsenen, der noch nie mit Schadstoffen in Berührung gekommen ist, beziehen.
So einen Menschen gibt es in Salzbergen nicht! Da wir hier alle schon seit dem wir hier wohnen, den Emmisionen der Wintershall/SRS ausgesetzt sind, (Nullmessung? Fehlanzeige!).
Der Verein "DAS BESSERE Müllkonzept e.V." ist aber nicht nur gegen MVAs, sondern zeigt auch Alternativen auf. Da gibt es nicht nur die MBAs, so wie die, die gerade in Wilsum gebaut wird, sondern auch den Bereich Wiederverwertung. Die Müllverbrennung ist auch deshalb so fehl am Platze, da sie gerade den Gedanken der Müllvermeidung und Wiederverwertung zuwider läuft. Das ist ganz einfach zu erklären: Eine MVA funktioniert nur, wenn im Müll was Brennbares drin ist, und da ist Plastik, Papier und Pappe eben ein wesentlicher Bestandteil. Die ganze Sammelei und Wiederverwertung (damit ist hier eine "nachhaltige Wiederverwertung gemeint, einmal verbrennen um die Energie rauszuziehen, ist eben nicht "nachhaltig") wird durch MVAs ad absurdum geführt. Bei MBAs ist das genau andersherum. Je besser sortiert der Müll ist, desto effektiver kann vieles der "nachhaltigen" Wiederverwertung zugeführt werden und der Restmüll wird von einer MBA TASi-konform behandelt. Die Gleichwertigkeit einer MBA (zur Müllverbrennung bzgl. der Behandlung des Mülls zur Ablagerung auf Deponien) ist laut Herrn Koch von einem unabhängigen Professor bewiesen worden.
Zum Schluß stellte Michael Fuest (Grüner Kreistagsabgeordneter) kurz da, was im Kreistag beschlossen wurde.
Sein Eindruck ist der, daß die CDU, voran Herr Oberkreisdirektor Bröring unbedingt eine MVA in Salzbergen will,
auch wenn dieses unter Umständen für den Bürger die teurere Lösung ist (Müllgebühr). Denn eine Studie, die der
Kreis in Auftrag gegeben hat, sagt deutlich: MBAs sind TASi-konform und deutlich billger als MVAs.
Herr Fuest würde es daher schon aus Kostengründen lieber sehen, wenn der Kreis Emsland seinen Müll mit MBAs entsorgt. "Der Kreis sollte Verhandlungen mit der Grafschaft Bad Bentheim aufnehmen, die suchen doch ab 2005 Müll für ihre MBA."
Herr Willi Jansen (SPD Salzbergen) konnte den Eindruck, daß der Kreistag die MVA durchdrücken will, nur bestätigen
und forderte alle auf: "Nehmt an der Bürgerbefragung teil, wer gegen die MVA ist muß mit NEIN stimmen und
auch wer nur eine MVA auf dem Stand der Technik will muß auch mit NEIN stimmen. Sonst passiert da gar nichts."
Die MVA ist durch politischen Druck zu kippen, den Druck müssen wir Salzbergener machen, indem wir laut und deutlich
unsere Meinung sagen. Deshalb auch meine Bitte an alle Salzbergener:
Geben Sie bei der Bürgerbefragung Ihre Stimme ab!
(Von der CDU war übrigens nur Frau Rupprecht da. Sind die anderen CDU Ratsmitglieder schon "neutral" über das Thema informiert worden?)
Folgend die Tabelle, die Herr Peter Gebhardt vom Ökoinstitut Darmstadt auf der Informationsveranstaltung gezeigt hat. Ich habe nur die Spalte mit den Werten aus dem Pressebericht der Lingener Tagespost vom 27.11.1999 hinzugefügt.
Abgaswerte der in Salzbergen geplanten MVA im Vergleich zu MVAs mit "Stand der Technik"
| Parameter |
nasse Verfahren Durchschnitt BRD |
MVA Bielefeld (Stand der Technik) |
Angaben SRS vergleichbare Anlage mit trockener RGR | ursprünglich von der SRS beantragte Werte |
laut Pressebe- richten zuge sagte Werte SRS |
von BI geforderte Grenzwerte |
| [mg/Nm3] | [mg/Nm3] | [mg/Nm3] | [mg/Nm3] | [mg/Nm3] | [mg/Nm3] | |
| Staub | 1,1 | 0,5 | 3 | 5 | 3 | 2 |
| SO2 | 5 | 0,5 | 25 | 50 | 50 | 5 |
| NOx | 73 | 26,5 | 180 | 150 | 100 | 70 |
| HCl | 1,5 | 0,0 | 5 | 10 | 10 | 1 |
| HF | 0,16 | 0,00 | <0,05 | 1 | 1 | 0,1 |
| CO | 15 | 50 | 50 | 5 | ||
| Corg | 1,3 | 0,2 | 5 | 10 | 5 | 2 |
| HG | 0,004 | 0,005 | 0,015 | 0,03 | 0,03 | 0,01 |
| Cd/Tl | 0,003 | 0,003 | n.n. | 0,01/0,001 | 0,01/0,001 | 0,005 |
| As | 0,025 | 0,02 | ||||
| SM | 0,05 | 0,000 | 0,01 | 0,25 | 0,15 | 0,1 |
| PCDD/F | 0,01 ng | 0,0015 ng | 0,02 ng | 0,1 ng | 0,05 ng | 0,01 ng |
| NH3 | 0,5 | 0,77 | MVA Hamm: 5,4 | 1,0 |
Erläuterungen:
Die für Salzbergen geplante MVA hat eine "trockene" Abgasreinigung. Die "nasse" Abgasreinigung ist technisch aufwendiger (= teurer) erzielt aber deutlich bessere Werte. Selbst die Durchschnittswerte aller laufenden MVAs mit "nasser" Rauchgasreinigng (wobei da eben auch ältere Anlagen dabei sind) sind allesamt deutlich besser, als die geplanten Werte der Salzbergener MVA.
In der vierten Spalte (Angaben SRS vergleichbare Anlage mit trockener Rauchgasreinigung) sind die Werte angegeben, die eine laufende MVA mit vergleichbarer Technik zur geplanten Salzbergener MVA hat. Diese Werte sollte die Salzbergener MVA also erreichen, ohne eine technische Änderung vorzunehmen!
Klaus Gödde
48499 Salzbergen