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Keine Müllverbrennung in Salzbergen Bürgerinitiative
gegen
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Salzbergen
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Lingener Tagespost

Quellenangabe: Lingener Tagespost, 04.11.1999, Kreis Emsland

Furch: Bedenken nicht ausgeräumt

BI spricht von "Billiganlage"

Salzbergen (lj)
"Die grundsätzlichen Bedenken der Einwender gegen den Bau einer Müllverbrennungsanlage konnten im Erörterungstermin nicht ausgeräumt werden. Die bislang von der Schmierstoffraffinerie Salzbergen (SRS) vorgelegten Unterlagen und deren Aussagen zeigen offensichtlich, dass hier eine Billiganlage geplant ist, um Abfall zu Dumpingpreisen verbrennen zu können." Diese Auffassung vertrat der Vorsitzende der Bürgerinitiative (BI) gegen Müllverbrennung in Salzbergen, Winfried Furch, am Mittwochnachmittag in einer Erklärung.

BI: Winfried Furch SCHARFE Kritik an der Konzeption der vorgesehenen Müllverbrennungsanlage äußerte der Vorsitzende der Bürgerinitiative, Winfried Furch. Fotos: Jungeblut

"Das Streben nach Profit im Müllgeschäft steht hier bei der Antragstellerin eindeutig im Vordergrund", meinte Furch und fügte hinzu: "Die Sorgen und Ängste der in Salzbergen lebenden Menschen werden dabei mit Füßen getreten." Nach Ansicht des BI-Vorsitzenden ist eine Technologie vorgesehen, die bei weitem nicht die Abscheideleistungen anderer Müllverbrennungsanlagen wie zum Beispiel in Bielefeld erreicht. "Bei verschiedenen Stoffen werden die Emissionen bis zum Faktor 100 gegenüber der Bielefelder Anlage überschritten", erklärte Furch.

Außerdem würden durch die vorgesehene Anlage in Salzbergen "erhebliche Mengen" an hochtoxischen Filterstäuben und -salzen erzeugt, die nicht verwertet werden könnten, sondern einer Sonderabfalldeponie zugeführt werden müssten. "Die geplante Anlage wäre vor drei Jahren noch als Sonderabfallverbrennungsanlage eingestuft worden", meinte der BI-Vorsitzende. Nach seiner Darstellung sollen vor allem Abfälle aus Gewerbe und Industrie (zum Beispiel chromhaltige Abfälle aus der Leder-, Textil- und Klebstoffindustrie) sowie Rückstände aus der Lack- und Farbenherstellung verbrannt werden.

Antragsunterlagen nicht ausreichend

Die von der SRS vorgelegten Antragsunterlagen seien in keiner Weise ausreichend, um abzuschätzen, welche gesundheitlichen Gefahren für die umliegende Bevölkerung entstehen könnten, bzw. ob überhaupt von der Anlage ausgehende Zusatzbelastungen zumutbar seien. Furch: "Die Bürgerinitiative beanstandet vor allem, dass Vorbelastungsuntersuchungen in der Umgebung der Anlage nicht durchgeführt wurden." Die derzeitige Belastung der Bevölkerung, insbesondere mit Dioxinen und Schwermetallen, könne nicht abgeschätzt werden. Dies wäre umso dringender erforderlich, da im Ortsteil Holsten in den vergangenen Jahren eine überdurchschnittliche Krebshäufigkeit beobachtet worden sei.

Die SRS habe nicht erwogen, alternativ zur Müllverbrennung andere Verfahren zur Erzeugung des für die Raffinerie erforderlichen Dampfes in Betracht zu ziehen, kritisierte Furch. In Frage würde beispielsweise ein Gas- oder Dampfdruckwerk kommen, das sowohl hinsichtlich des Klimaschutzes als auch mit Blick auf die Gefährlichkeit der freigesetzten Schadstoffe wesentlich bessere Ergebnisse erziele.




04.11.1999, Kreis Emsland

Schulz: Schwierig, gegen Ängste zu argumentieren

90 Millionen DM teure MVA soll 2003 in Betrieb gehen

Salzbergen (lj)
Nach Abschluss des Erörterungstermins im Zusammenhang mit der geplanten Müllverbrennungsanlage (MVA) bei der Schmierstoffraffinerie Salzbergen (SRS) am Mittwochmittag haben sich die Antragsteller, die Bezirksregierung und die Bürgerinitiative, die sich kürzlich gegen das Vorhaben gebildet hat, gegenüber unserer Zeitung zufrieden über den durchweg sachlichen Verlauf geäußert.

Im Gasthof Schütte wurden am Mittwoch u.a. folgende Punkte besprochen: Lärm (Transportvorgänge, Verkehrsführung, Anlagenlärm), Störfälle / Bunkerbrände, mögliche Beeinträchtigung des Wohnwertes und des Fremdenverkehrs, Beweissicherung / Landwirtschaft sowie Standortalternativen.

Am Dienstag waren u. a. diese Themen zur Sprache gekommen: Luftverunreinigungen / Gesundheit, Immissionsvorbelastung und Immissionsprognose, Toxikologie sowie Auswirkungen auf die Nahrungskette / Schadstoffanreicherung.

Projektleiter Dr. Waldemar Schulz von der VEW Energie AG zeigte Verständnis dafür, dass einige Einwender "emotionsgeladene Fragen" gestellt hätten. "Wir sind dann aber immer auf eine sachliche Ebene zurückgekommen", erklärte der Projektleiter. Grundsätzlich sei es jedoch schwierig, gegen "Ängste zu argumentieren".

Nach seiner Darstellung haben die Gutachter der Antragsteller und der Bezirksregierung überzeugend deutlich gemacht, dass durch die geplante Anlage keinerlei Emissionen zu erwarten seien, die die Gesundheit der Bevölkerung gefährden würden. Nach seinen Angaben sollen die in der 17. Bundesimmissionsschutzverordnung festgelegten Grenzwerte für Dioxine und Furane sowie für Schwermetalle zum Teil drastisch unterschritten werden.

Er schätzt, dass Ende des Jahres die Ergebnisse von Luftmessungen und Bodenproben in Salzbergen vorliegen, die SRS/ VEW Energie auf Bitten des Landkreises zur Zeit durch unabhängige Gutachter durchführen lassen. "Ich gehe davon aus, dass die Ergebnisse dann veröffentlicht werden", sagte Dr. Schulz.

Die nach dem Prinzip der Rostfeuerung konzipierte Müllverbrennungsanlage, die mit einer vierstufigen Rauchgasreinigung versehen werden soll, verursacht nach den Worten von Dr. Schulz Kosten von etwa 90 Millionen DM. Baubeginn solle im zweiten Quartal des Jahres 2001 sein; die Fertigstellung sei für das Jahr 2003 vorgesehen. Dr. Schulz: "Falls die Bezirksregierung Anfang des Jahres 2000 den Vorbescheid genehmigt, wollen wir bis Mitte des Jahres 2000 die Antragsunterlagen für die Errichtung und den Betrieb der Anlage zusammentragen."

Waldemar Schulz VERSTÄNDNIS für die Ängste von Bürgern wegen der geplanten Müllverbrennungsanlage bekundete Projektleiter Dr. Waldemar Schulz.
LOBTE die konstruktive Atmosphäre beim Erörterungstermin in Salzbergen: Verhandlungsführer Regierungsdirektor Franz-Josef Sickelmann. Franz-Josef Sickelmann


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