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Lingener Tagespost

Quellenangabe: Lingener Tagespost, 25.08.2001, Lokales

Fusion soll die Raffinerie in eine gute Zukunft führen

Aktionäre stimmten für ein neues Unternehmen H&R WASAG AG - Ostermann-Müller: Idealen Partner gefunden

Salzbergen (ij) Dr. Horst Hollstein (61), früherer Vorstandssprecher der Schmierstoffraffinerie Salzbergen (SRS), ist ein leidenschaftlicher Schachspieler. Aus Zeitgründen hat er aber nur selten Muße zu einer Partie. Statt am Schachbrett darüber zu brüten, welche Züge zum Erfolg führen, entwickelt der gefragte Manager stattdessen Unternehmensstrategien. Sein jüngster Coup: Die WASAG-Chemie AG mit Sitz in Essen und die SRS verschmelzen zur H&R WASAG AG. Die am Donnerstag in Hamburg durchgeführte Hauptversammlung der WASAG-Aktionäre stimmte inzwischen mit 99,5 Prozent der Stimmen dem Zusammenschluss zu,

H&R steht für Hansen & Rosenthal, ein traditionsreiches Hamburger Familienunternehmen, das bereits in der vierten Generation erfolgreich das chemische Spezialitätengeschäft betreibt. In einem Pressegespräch in Salzbergen vertraten Dr. Hollstein als Vorsitzender des dreiköpfigen Vorstands und Maria Elisabeth Ostermann-Müller, Vorstand Finanzen (bislang Geschäftsführung SRS), übereinstiminend die Auffassung, dass die Fusion beiden Seiten nur Vorteile bringe - auch den Arbeitnehinern. Der dritte Vorstand Niels H. Hansen (Verkauf) konnte an dem Gespräch nicht teilnehmen,

"Niemand wird durch den Zusammenschluss seinen Arbeitsplatz verlieren", versicherten die Vorstandsmitglieder. Das neue Unternehmen hat 8,50 Mitarbeiter, davon arbeiten 350 am Standort Salzbergen. Besonders stolz sind Dr. Hollstein und Frau Ostermann-Müller darauf, dass die Betriebsräte der beiden Unternehmen den Zusammenschluss nachdrücklich unterstützten. Dr. Hollstein und Frau Ostermann-Muller: "Wir wollen den mündigen Mitarbeiter, der Verantwortung übernimmt, und informieren deshalb Belegschaft bzw. Betriebsrat in urnfassender Weise. Das ist Teil unserer Unternehrnenskultur, die in dieser wichtigen Frage ebenfalls Früchte getragen hat."

Die H&R WASAG AG betätigt sich nach den Worten von Dr. Hollstein künftig in drei Geschäftsbereichen, und zwar chemisch-pharmazeutische Rohstoffe, Kunststoffe und Sprengstoffe. Nach seinen Worten ist die WASAG durch die Verschmelzung wieder dividendenfähig. Der Grund: Die vorhandenen steuerlichen Verlustvorträge (körperschaftssteuerlicher Verlustvortrag 63 Millionen DM) können mit entstehenden Gewinnen gegengerechnet werden und schaffen damit zusätzliche Mittel zur Finanzierung von weiterem Wachstum der Gesellschaft.

Neben Salzbergen verfügt das neue Unternehmen mit der WASAGCHEMIE Sythen GmbH über ein weiteres Tochterunternehmen mit 64 Mitarbeitern. Zugpferd des neuen Unternehmens ist neben der Raffinerie die Tochterfirma Gaudlitz GmbH in Coburg mit 395 Mitarbeitern. Die in der Kunststoffbranche tätige GmbH konnte den Umsatz von 53,3 Millionen im Jahr 1999 auf 61,1 Millionen im Geschäftsjahr 2000 steigern - das entspricht einem Zuwachs von neun Prozent.

Der Umsatz der WASAG-Chemie AG auf Konzernbasis erhöhte sich im selben Zeitraum von 77 Millionen auf 85,9 Millionen DM, das bedeutet ein Plus von 11,6 Prozent.

Zur Sprengstoffsparte gehört die WANO GmbH in Kunigunde bei Liebenburg. Die WANO produziert Schwarzpulver für Jagdwaffen und Feuerwerk und ist mit der Produktion von zirka 650 Tonnen pro Jahr Europas größter Hersteller.

Als besonderes Faustpfand sieht Dr. Hollstein die Quarzvorkommen in bester Qualität an, über die die Sythengrund Wasagchemie Grundstücksverwertungsgesellschaft Haltern mbH auf einer Fläche von drei Millionen Quadratmetern verfügt. Die beiden Vorstandsmitglieder äußerten die Hoffnung, dass durch einen Gebietsentwicklungsplan, der zurzeit von der Bezirkrsregierung Münster überarbeitet wird, ein Abbau mit der Option einer späteren Freizeitnutzung möglich wird.

Als Perle bezeichnete Dr. Hollstein die Raffinerie in Salzbergen: "Der Unternehmenswert wurde im Rahmen der Verschmelzung mit der WASAG-CHEMIE AG gutachterlich auf 102 Millionen DM festgestellt, irn Jahr 1994, zum Zeitpunkt Übernahrne von der Wintershall, war es eine DM."

Die SRS ist vornehmlich ein Produzent von chernisch-pharmazeutischen Rohstoffen. Dr. Hollstein:"Durch die Tatsache, dass die SRS in allen Produktgruppen auf Hochveredlung spezialisiert ist, erwirtschaftet sie im Vergleich zu Wettbelverbsraffinerien relativ hohe Margen. Gemessen in "Cash-Margins" (Überschuss pro Tonne) gehört die SRS von weltweit 157 vergleichbaren Raffinerien zur Spitzengruppe und nimmt zurzeit Platz vier ein."

Durch die Müllverbrennungsanlage bei der Raffinerie, mit deren Bau Ende des Jahres begonnen werden soll (geschätzte Kosten zwischen 80 und 90 Millionen DM), versprechen sich Dr. Hollstein und Frau Osterrnann-Müller nach vollständiger Inbetriebnahme Mitte 2003 eine Senkung der Energiekosten von jährlich bis zu vier Millionen DM. Durch das neue Kraftwerk mit einer Verbrennungskapazität von jährlich 120000 Tonnen Hausmüll soll ein veraltetes, schwerölbefeuertes Kraftwerk größtenteils ersetzt werden. Die neue Anlage wird der Planung zufolge Prozessdampf in Höhe von 50 Tonnen pro Stunde liefern und damit den Grundlastbedarf decken. "Die neue Anlage wird einem Quantensprung Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit gleichkommen" betonte der Vorstandsvorsitzende der H&P WASAG AG.

Maria Elisabeth Ostermann-Müller unterstrich, dass durch die Verschmelzung der SRS mit der WASAG CHEMIE AG der Zugang zum Kapitalmarkt ermöglicht und ein weiterer Schritt für die Zukpunftssicherung des Unternuhmens getan werde. Man sei deshalb nicht mehr so anfällig bei Schwankungen der Rohstoffpreise, "Mit der WASAG-Chemie AG haben wir einen idealen Partner gefunden", hob die 41-jährige Managerin hervor. Der Aufsichtsratsvorsitzende der H&R WASAG AG Bernd Günther aus Hamburg, appelierte an die Emsländer, Aktien zu erwerben, um auf diese Weise ihre Solidarität mit dern Unternehmen und seinem wichtigen Standbein in Salzbergen zu bekunden.

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BLICKEN zuversichtlich in die Zukunft: Dr. Horst Hollstein, Vorstandsvorsitzender der H&R WASAG AG, und Maria Elisabeth Ostermann-Müller, Vorstand Finanzen, auf dem Gelände der Raffinerie in Salzbergen. Der Name SRS ist nach der Fusion passe.
Foto: Jungeblut




BI:
Im April 2000 waren es noch sechs Millionen Ersparniss, jetzt sind es nur noch "bis zu vier" und demnächst ...




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