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Bürgerinitiative gegen Müllverbrennung in Salzbergen e.V. |
Presse
Quellenangabe: SPD-Bürgerinformation, 15.08.2006 (90. Ausgabe, August 2006)
Bürgerinitiative gegen Müllverbrennung in Salzbergen:
"Hohe Dioxinbelastung nicht hinnehmbar"
"Kritik an Berichterstattung - Überschreitung nur Spitze eines Eisberges"
Salzbergen (bürgerinfo). Bei der Müllverbrennungsanlage in Salzbergen gibt es Probleme. "Die in der behördlichen Betriebsgenehmigung verbindlich festgeschriebenen Grenzwerte bei Dioxinen und Furanen (PCDD/F) wurden zeitweise deutlich überstritten", teilte die "Bürgerinitiative gegen Müllverbrennung in Salzbergen e.V." in einer Presseerklärung, die wir nachstehend veröffentlichen, mit.
Presseerklärung:
Unerklärlich: Die Lingener Tagespost titelt: "Emissionsgrenze ist nicht überschritten worden", andererseits wurde mitgeteilt, dass die notwendigen Maßnahmen festgelegt worden seien. Dem nichtinformierten Bürger wird klar, dass da etwas nicht stimmen kann.
Fakt ist, dass der in der Genehmigung stehende Grenzwert bei einem Anfahrprozess weit überschritten wurde. Man muss aber auch fairerweise sagen, dass im normalen laufenden Betrieb diese Werte auf der sicheren Seite liegend eingehalten werden.
Die Bürgerinitiative gegen Müllverbrennung ist bereits seit einiger Zeit mit dem Gewerbeaufsichtsamt und der SRS-EcoTherm in Kontakt und hat Vorschläge unterbreitet, wie man die speziell bei Anfahrprozessen entstehenden Überschreitungen von Dioxin- Grenzwerten der MVA vermeiden kann.
Die Überschreitung des genehmigten Dioxin-Grenzwertes datiert von November 2005.
Der Grenzwert wurde um ca. 50% überschritten. Vorangegangen war nach Auskunft der Überwachungsbehörde ein Revisionsstillstand der Anlage. Die Überschreitung konnte nur ermittelt werden, weil zufälligerweise direkt nach dem Wiederanfahren eine Dioxinmessung durchgeführt wurde. Das von der Bürgerinitiative durchgesetzte AMESA-Gerät zur kontinuierlichen Dioxin-Überwachung wurde zwar in die Anlage eingebaut, Dioxin-Proben wurden aber seit Betriebsbeginn der Anlage bis mindestens Juni 2005 nicht analysiert!
Nach der Aussage des Umweltingenieurs Peter Gebhardt muss davon ausgegangen werden, dass Grenzwertüberschreitungen von Dioxinen im Anfahrbetrieb bei der Anlage in Salzbergen System haben und bislang nur die Spitze eines Eisberges zu Tage trat. Der Grund sei darin zu suchen, dass beim Anfahren der Anlage die Dioxinabscheidung in der Rauchgasreinigung aus verfahrenstechnischen Gründen nicht in Betrieb ist. Gerade dann aber sei mit hohen Neubildungsraten von Dioxinen im Kessel zu rechnen. Es klingt auf den ersten Blick verwunderlich, wurde aber anhand von Messungen an verschiedenen Verbrennungsanlagen eindeutig belegt: Die höchsten Dioxinemissionen treten dann auf, wenn noch gar kein Abfall verbrannt wird und der Kessel mit Heizöl langsam auf Temperatur gebracht wird. Durch verstärkte Rußbildung in dieser Phase, durch Chlorablagerungen im Kessel und niedrige Kesseltemperaturen werden ideale Bedingungen geschaffen, um Dioxine neu zu bilden. In einer Hamburger Anlage wurden in dieser Phase 350-fach höhere Dioxinemissionen im ungereinigten Abgas im Vergleich zum Normalbetrieb festgestellt.
Die Bürgerinitiative hatte die SRS-EcoTherm schon in einem Gespräch im Sommer letzten Jahres auf die Problematik aufmerksam gemacht, wurde aber offenbar nicht ernst genommen.
Nach diesem Vorfall liegt klar auf der Hand: So kann es nicht weiter gehen. Die Aufzeichnungen aus dem AMESA-Verfahren müssen zukünftig lückenlos analysiert werden. Der Anfahrbetrieb muss so umgestellt werden, dass die Rauchgasreinigung schon von Anfang an vollständig in Betrieb ist, um die hohen Dioxingehalte im Abgas wirksam abreinigen zu können. Mit zusätzlichen Messungen ist das zu belegen."
Winfried Furch
Vorsitzender der Bürgerinitiative
gegen Müllverbrennung in Salzbergen